Refraktor

Refraktor ist in der Astronomie die Bezeichnung für ein Linsenfernrohr.Der Begriff leitet sich vom physikalischen Effekt der Brechnung her und ist auch außerhalb der Astronomie geläufig für eine lichtbrechende Material- und Luftschicht oder in der Geophysik für eine Dichtetrennschicht.Die Geschichte der Refraktoren beginnt im frühen 17. Jahrhundert, als ein niederländischer Brillenmacher aus einer Sammellinse als Objektiv und einer Zerstreuungslinse als Okular den ersten Refraktoren baute. Galileo Galilei entwickelte ihn weiter, und deshalb wird er als Holländisches Fernrohr oder auch Galileo-Fernrohr bezeichnet. Er hat nur ein kleines Gesichtsfeld und eine kurze Bauweise, gibt die beobachteten Objekte aber aufrecht und seitenrichtig wieder. Auch heute noch wird dieser frühe Refraktortyp verwendet: Als Brillenfernrohr und als Opernglas.Johannes Kepler entwickelte eine Refraktor-Bauweise mit zwei konvexen Sammellinsen als Objektiv und Okular. Refraktoren dieser Bauweise heißen Kepler- oder auch astronomische Fernrohre. als weiter zu dem nach ihm benannten, auch astronomischem Fernrohr. Da sich die Lichtstrahlen in diesem Refraktor kreuzen, erhält man ein der Wirklichkeit entsprechendes, aber auf dem Kopf stehendes Bild des betrachteten Gegenstandes.
Diese keplersche Linsenanordnung ist auch heute noch üblich, allerdings wird sie ergänzt um zusätzliche optische Einrichtungen, durch die das Bild wieder aufrecht und seitenrichtig erscheint. Das geschieht durch eine dritte Sammellinse oder durch Prismen. Aus diesen Grundformen sind für die Astronomie zehn weitere Fernrohrtypen entwickelt worden, die wiederum Ausgangspunkt für zahlreiche Sonderformen wurden. So gibt es heute eine Vielzahl von Refraktoren für die unterschiedlichen BeobachtungszweckeEine weitere Besonderheit sind die Faltreflektoren, bei der der Lichtstrahl durch ein oder zwei Planspiegel umgeleitet wird. Auch bei Faltrefraktoren herrscht großen Typenvielfalt. Sie wurden insbesondere dadurch bekannt und populär, dass mit ihnen Astrofotografen spektakuläre Aufnahmen gelangen. Heute werden sie gern in Volkssternwarten eingesetzt. Es gibt sie auch als Selbstbausätze für Amateur-Astronomen.Zu Weltausstellung 1900 in Paris wurde das größte Linsenfernrohr überhaupt gebaut. Es war ein 125 cm - Gerät mit einer Brennweite von 49 Metern. Damit aber war die Grenze des Machbaren überschritten. Für die astronomische Forschung benutzt man heute Beobachtungsgeräte mit Spiegelsystemen. Ihre Leistungen sind denen der Linsenfernrohre weit überlgen. Die Reflektoren haben die Refraktoren abgelöst.